Haltung
artgerecht und abwechslungsreich


Vorwort

Viele Leute behaupten, man könne bei der Haltung von Meerschweinchen nicht viel falsch machen. Sie seien leicht zu halten, wären anspruchslos, benötigen wenig Platz und wenig Zuwendung. Doch wer sich folgenden Text ausführlich durchlist, wird sicherlich das Gegenteil feststellen.

Gesellige Meerschweinchen - Einzelhaltung ist Tabu
Meerschweinchen leben in freier Wildbahn in großen Rudeln zusammen, meist mit einem Böckchen und mehreren Weibchen. Sie sind daher sehr gesellige Tiere und sollten daher niemals allein gehalten werden. Der Käfig, die Ausstattung und ähnliche Dinge können noch so toll sein, ein Artgenosse ist unumgänglich. Wer sein Meerschweinchen bis heute unwissens einzeln hält, sollte ihm umgehend einen Partner gönnen.

Böckchen oder Weibchen - Welche Kombination ist empfehlenswert?
Die häufigsten Fragen von Meerschweinchenhaltern befassen sich mit Verhaltensproblemen untereinander und damit, welche Geschlechter überhaupt kombiniert werden können und dürfen. Ich persönlich empfehle meist ein kastriertes Böckchen mit ein oder mehreren Weibchen. Damit hat man meist wenig Schwierigkeiten und man kann dann später auch noch problemlos weitere Weibchen dazusetzen. Der Kastrat ist in dieser Rolle bekannt dafür, Streitigkeiten unter den Mädels zu schlichten und bei eventuellen Auseinandersetzungen Ruhe einkehren zu lassen. Mit der Kombination zwei- oder mehrerer Böckchen schaut es da schon schwieriger aus, ist jedoch mit diversen Vorkehrungsweisen auch nicht unmöglich. Möchte man sich von vorn herein Böckchen anschaffen, empfiehlt es sich zwei junge, nicht-geschlechtsreife Böckchen zu vergesellschaften.

Hat man bereits ein älteres Böckchen zu Hause, dem man einen Partner gönnen möchte, empfielt sich ebenfalls ein nicht-geschlechtsreifes Böckchen. Es kann jedoch in einigen Fällen vorkommen, dass das Jungböckchen bei Erreichen der Geschlechtsreife dominanter wird und die Rangordnung neu geordnet werden muss. Im Idealfall funktioniert dies jedoch problemlos, jedoch wirklich nur, wenn das Böckchen vor Erreichen der Geschlechtsreife zum älteren Bock gesetzt wird. Bei jüngeren Böckchen muss ebenfalls eines der Böckchen nicht-geschlechtsreif sein. Die Kombination zweier Weibchen läuft meist problemlos ab. Sollten dennoch sehr häufig Streitereien auftreten, empfielt sich die Einführung eines Kastraten in die Gruppe.

Generell muss man jedoch sagen, dass es jederzeit Ausnahmen mit der Verträglichkeit geben kann. Ich persönlich habe Böckchen zwar oft streiten sehen, dennoch gibt es auch Fälle, in dem sich ein Böckchen mit einem Weibchen nicht verstand. In der ganzen Hinsicht spielt der Charakter eine große Rolle. Ich halte zwei Böckchen zusammen, was bis auf kurzzeitige Meinungsverschiedenheiten im Großen und Ganzen sehr gut klappt. Unter zwei Böckchen ist es jedoch sehr schwer, nachträglich ein weiteres Böckchen hinzuzufügen. Desweiteren ist bei sich oft streitenden Böckchen eine große Ausweichfläche ratsam. Die Kombination zweier Böckchen mit einem Weibchen ist nicht zu empfehlen.

Böckchenhaltung ist meines Erachtens heutzutage leider sehr unbeliebt, weil viele Streitereien unter den Böckchen bekannt geworden sind. All dies ist ein Grund dafür, weshalb die Böckchenanzahl in Notstationen und Tierheimen höher ist als die der Weibchen. Ich bitte euch daher, die Anschaffung zweier- oder mehrerer Böckchen nicht direkt aus eurem Kopf zu streichen, denn es ist wie gesagt mit wenigen Beachtungen ebenfalls möglich, sie erfolgreich zu vergesellschaften. Weitere Tipps und Informationen zur Böckchenhaltung habe ich hier zusammengefasst.

Schlichter Zoohandlungskäfig oder funktionsfähiger Eigenbau - Was ist gut für meine Tiere?
Die einfachere und günstigere Methode der Haltung wäre sicher, die Tiere in einem handelsüblichen Käfig aus der Zoohandlung zu halten. Wer ihnen jedoch mehr Platz und Abwechslung gönnen möchte, sollte auf einen Eigenbau zurückgreifen. So kann man den Tieren optimale Haltungsbedingungen bieten. Eine reiche Auswahl an Eigenbauten seht ihr in den unten aufgeführten, themenorientierten Linktipps. Sehr erwähnenswert wäre noch die Mindestgröße eines Käfigs, die bei zwei Tieren 120x50cm beträgt. Je mehr Quadratmeter, desto besser. Bei letzter Angabe sollte den Tieren sicherlich noch ein täglicher Auslauf im Freien bzw. in der Wohnung gegönnt werden. Bei der Anschaffung von zwei Meerschweinchen ist wichtig, dass ihr euch nicht von den falschen Leuten beraten lässt. Zoohandlungen wollen meist nur mit viel zu kleinen Käfigen ihr gutes Geld machen und die Tiere fristen ihr ganzes Leben in einem viel zu kleinem Käfig. Wer sich (vor der Anschaffung) bereits ausführlich über Meerschweinchen informiert, weiß was ein Tier braucht um ein glückliches Leben zu führen. Ich persönlich rate jedem Halter, sich Gedanken über einen Eigenbau zu machen denn man wird den Anforderungen der Meerschweinchen viel gerechter.

Die Einrichtung - Kreativität ist gefragt
Meerschweinchen sind Fluchttiere, deshalb ist es wichtig, diese Eigenschaft der Tiere in der Einrichtung ihres Heims zu beachten, daher sollten unbedingt Unterschlupfmöglichkeiten gegeben sein, sei es durch Häuschen, Korkröhren oder einer Kuschelröhre aus weichem Stoff. Wichtig wären auch Uttensilien für Trockenfutter, hierbei ist ein standfester Futternapf aus Ton empfehlenswert. Wer Wasser in einem Napf anbieten möchte, sollte noch einen zweiten standfesten Napf in den Käfig stellen, ansonsten zeigt eine Wasserflasche ebenfalls guten Nutzen. Heu sollte in einer Heuraufe angeboten werden, kann aber auch nicht ungefährlich sein, da Meerschweinchen diese gern mal als Versteckmöglichkeit nutzen. Ein feinmaschiger Draht kann hier Abhilfe schaffen. Ein Salzleckstein gehört nicht zur Standarteinrichtung, wird aber von manchen Meerschweinen sehr gern benutzt. Bei Außenhaltung im Winter ist dieser jedoch nicht verwendbar, da er sich in der Luftfeuchtigkeit sehr schnell auflöst.

Bewegung ist gesund - Der tägliche Freilauf
Auch wenn der Käfig deiner Meerschweinchen noch so groß ist, man sollte ihnen dennoch einen täglichen Freilauf in der Wohnung oder im Freiem bieten können. All dies und ob die Bedingungen dafür geschaffen sind, sollte man sich vor dem Kauf mehrerer Meerschweinchen gründlich überlegen. Beim Freilauf in der Wohnung lauern viele Gefahren. Steckdosen und Kabel können für die Tiere eine große Gefahr darstellen. Aber auch giftige Zimmerpflanzen und andere Verletzungsgefahren sollten vorher für die Tiere unzugänglich gemacht werden. Auch beim Auslauf im Freiem lauern so einge Gefahren. Deshalb sollte man den Auslauf besonders vor Raubtiere schützen, indem man ihn mit einem Gitter komplett verschließt und ihn standfest macht. Giftpflanzen sollten ebenfalls vorher entfernt werden. Im Sommer ist beim Freilauf auf der Wiese zu beachten, dass die Tiere mehrere Schattenplätze haben, am besten indem man Steine oder Fliesen schräg stellt. Herkömliche Holzhäuschen aus der Zoohandlung sind als Schattenspender nicht geeignet. Meerschweinchen, die nur im Sommer ihren Freilauf im Freiem geboten bekommen, sollten bei Regenwetter wieder ins Haus geholt werden, da sie kühlere Temperaturen nicht gewöhnt sind und sich dadurch schnell eine Erkältung zuziehen, die unbehandelt schnell bis zu einer Lungenentzündung führen kann.

Nützliches im WWW zum Thema Haltung:
Mel-s - Die Seite rund um Eigenbauten
Struppi, Chips & CO - Onlineshop für Käfigeinrichtung (Schweiz)
Schweinzelhaltung - Eine Initiative gegen Einzelhaltung
Schweineban.de - Alle Einstreuarten im Vergleich mit Vor- und Nachteilen



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